Paarlauf
So der Titel unserer Herbst/Winter-Ausstellung 2025 in der Gotischen Halle im Celler Schloss.
15.November 2025 – verlängert bis 30. Januar 2026
Öffnungszeiten: Mi + Do 12-16 Uhr außer Do 29.01. dafür am Fr 30.01.
Beide Künstler hat der Kunstverein Celle schon in früheren Ausstellungen gezeigt. Beide haben ihre Hauptwohnsitze in Hannover und sind bei aller Individualität und Unterschiedlichkeit in einer seit Jahrzehnten andauernden freundschaftlichen wechselseitigen Auseinandersetzung mit ihren Werken und durch ihre Werke verbunden.
Beide sind vor wenigen Jahren mit umfangreichen Retrospektiven sowohl im Sprengel Museum als auch im Kunstverein Hannover anlässlich „runder“ Geburtstage geehrt worden. Sie werden nun im Celler Schloss Werke ausstellen, die in Hannover und in Celle noch nicht zu sehen waren. Zentrales Werk von Christiane Möbus wird die Installation „foxes and feathers – kingsize“ sein, während Timm Ulrichs im Dialog dazu unter anderem die Arbeit „Wachsender Stein“ zeigen wird.
Hier der Link zum CZ-Bericht vom 19.11.2025
Hier der Bericht aus "Celler Presse"
Beide leben sie in Hannover, beide sind sie renommierte Künstler und Hochschullehrer und beide sind in einem Alter, in dem die Vergangenheit oft gedanklich die Oberhand gewinnt. „Die Erlebnisse als Kind beschäftigen mich immer weiter“, erzählt die in Celle, im Jahr 1947 geborene Bildhauerin und Objektkünstlerin Christiane Möbus anlässlich der Vernissage zur Schau „Paarlauf“, in der Exponate von ihr und Timm Ulrichs in der Gotischen Halle aufeinandertreffen. Eingeladen zu dieser Begegnung der besonderen Art hat der Kunstverein Celle, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert.
Nicht alle, die damals wesentlich zur Gründung beigetragen haben, können vor Ort sein, so z.B. Pütten Klatt. Doch Timm Ulrichs nennt ihn beim Namen („die gute Freundschaft mit Pütten“), als er berichtet von seiner ersten Ausstellung in Celle in den 70er Jahren. An erster Stelle Pütten, dann den „Scharfrichter“ Dr. Ulrich Scharf und zuletzt Joachim Falkenhagen. „Ich darf mal wieder in Celle aufschlagen“, sagt Ulrichs gut gelaunt zum Auftakt, und dann geht er gedanklich zurück und erzählt, was ihn verbindet mit dieser Stadt. Gegenwärtig sei er dabei, aufzuräumen. Das Konzept, wie die Vernissage gestaltet werden sollte, hat er damit über den Haufen geworfen. Die Kulturwissenschaftlerin Christine Holtmann gibt die Versuche, Timm Ulrichs zu einem Dialog hinzuführen, auf. Er ignoriert jedes Bemühen. Ein Beispiel für seine Unangepasstheit, für diese, Witz und originelle Kunst ist der im Jahr 1940 in Berlin Geborene bekannt.
„Die Arbeit verbindet uns“, hatte Christiane Möbus berichtet zu Beginn, als ihr Künstlerkollege noch gar nicht anwesend war. Und sie spricht von Seelenverwandtschaft und davon, dass sie froh darüber sei, dass er da ist. Im Gegensatz zu Ulrichs ist Autobiografisches für sie bei ihrer künstlerischen Tätigkeit sehr wichtig: „Oft ist es Ausgangspunkt“, sagt sie. Ein gutes Beispiel ziert die Schau: Möbus hat ein übergroßes Foto von ihrem Vater in jungen Jahren mit einer Turnstange kombiniert, und das Bild in Erinnerung an und Anspielung auf einen Handstand, den ihr Vater als junger Schulleiter in ihrer Anwesenheit spontan machte, auf den Kopf gestellt. „Es war eine schwierige Zeit. Die Familie war halb verhungert aus dem Osten gekommen.“ Mit 41 Jahren wurde ihre Mutter noch einmal schwanger, die Celler Geburtsklinik kommentierte dieses sehr unfreundlich. „Das war mein Start“, erzählt Christiane Möbus und fügt hinzu: „Ich habe so viele Ideen im Kopf“. Davon lässt sich ein Eindruck gewinnen: Gleich nach dem Hineinkommen trifft der Besucher auf „Fox and feathers“. Beispiele für die mediale Vielfalt ihrer Objekte finden sich ebenso wie Exponate, die ihren experimentellen Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Stoffen anschaulich machen.
Letzteres trifft auch auf Timm Ulrichs zu. In dem frisch gewählten neuen Vorsitzenden des Kunstvereins Celle, Carlo Eggelsmann, trifft er an diesem Nachmittag der Vernissage auf einen Bewunderer: „Am meisten schätze ich Timm Ullrichs‘ Unkonventionalität, er lässt sich nicht in eine künstlerische Schublade stecken, und seine Kunst ist ungemein geistreich“, sagt Eggelsmann, der viele Jahre nach dem Ende der Professur von Ulrichs in Münster dort Meisterschüler wurde.
Bis vor wenigen Tagen hatte noch gar nicht festgestanden, ob es weitergeht mit dem Kunstverein Celle. Daher war das 60-jährige Jubiläum nicht gefeiert worden. Doch nun steht fest: Der in Celle lebende studierte bildende Künstler Carlo Eggelsmann führt den Kunstverein gemeinsam mit Tim Cierpiszewski, Birgit Nieskens und Anna Schweiger in die Zukunft.
„Paarlauf“ ist zu sehen in der Gotischen Halle, Schloss Celle, bis zum 4. Januar 2026
Anke Schlicht
Redaktion Celler Presse






