SYSTEMAE MIRACULORUM - Anja Schindler


© Anja Schindler - Reliquienkiosk

06.03. - 20.04.2016

Forschen, Bewahren und Ordnen spielen eine zentrale Rolle in Anja Schindlers Arbeit. In Installationen, die an die Kunst – und Wunderkammern des 17. und 18. Jahrhunderts erinnern, fügt sie zusammen, was auf den ersten Blick nicht zusammen gehört. In Öl eingelegte und konservierte Fundstücke - Fruchtkapseln, Hülsenfrüchte, alte Schriftstücke oder Käfer stehen in Gläsern aufgereiht in seltsamen Regalen und Kästen. Bei diesen Rauminstallationen steht nicht das Einzelstück im Vordergrund, sondern die Gesamtkomposition, die alles vom Sammlungsgegenstand bis hin zum Ausstellungsmobiliar mit einbezieht.

In ihren Arbeiten beschäftigt sich Anja Schindler mit der Erforschung des Lebens, der Suche nach der Ursprünglichkeit. Was hat den Menschen geprägt? Wie haben Menschen versucht das zu erforschen und festzuhalten? Ist es uns heute möglich die Geschichte des Lebens mit all seinen Daseinsformen jenseits der wissenschaftlich analytischen Sichtweise begreifbar zu machen?

 

Für die Ausstellung SYSTEMAE MIRACULORUM hat Anja Schindler einige Installationen ausgewählt, die einen direkten Bezug zum Celler Schloss haben. Große Teile des Schlosses wurden ab 1530 im Renaissancestil erbaut und ausgeschmückt. In dieser vorwissenschaftlichen Zeit, auch das "Zeitalter des Staunens" genannt, entstand eine Kultur des Forschens, des Sammelns und des Sortierens. Durch das Anhäufen von möglichst vielfältigen irdischen Daseinsformen versuchte man dem Wesen der Welt auf die Spur zu kommen, in einzelnen "Wunderkammern" sollte der gesamte irdische Makrokosmos dargestellt werden, vergleichbar zur biblischen Arche Noah.

 

Die einzelnen Installationen kreisen um verschiedene Aspekte des Sammelns und Bewahrens, z.B.: Artenreichtum (KULTURZUCHT- ZUCHTKULTUR), die Vanitassymbole des Barockzeitalters (NASCENDO MORIMUR MMXIV), die Suche nach dem Echo einer alten Hochkultur (AUF DEN SPUREN VON D.H. LAWRENCE) oder die Kraft von Amuletten (HOFFNUNGSTRÄGER).

Anja Schindler erschafft ein disziplinübergreifendes Werk, in dem die Elemente Mensch, Natur und Kunst gleichwertig nebeneinander stehen und einander bedingen. In ihren zeitgenössischen Wunderkammern erscheint ein eigener Mikrokosmos; menschliche Schöpfung, künstlerische Schöpfung und Naturschöpfung bilden ein organisches System, dessen Bestandteile, Naturalien oder Artefakte, so miteinander verwachsen sind, dass sie sich nicht voneinander abgrenzen lassen.

 

Mehr zur Künstlerin unter anja-schindler.com